Boberow in der Prignitz


Urlaub im Bauwagen, Feldsteinkirchen in der Prignitz, Urlaub mit Pferd
Boberow, Dorfkirche. Foto: J. de Gruyter

Boberow - wendisch Boberowe - ist ein kleines Bauerndorf mit wenigen Hundert Einwohnern am Rambower Moor, 1312 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

 

Außer den neueren Gehöften aus der Jahrhundertwende mit ihren Putz- und Ziegelsteinfassaden gibt es noch einige ältere Fachwerkhäuser.

 

Die Dorfkirche ist eine der wenigen dreiteiligen Kirchen der Prignitz - ein einschiffiger gotischer Feldsteinbau. Der spätgotische Turm stammt aus dem 16. Jh., die Bronzeglocke von 1522. Sie schlägt zur halben und vollen Stunde und läutet jeden Abend um viertel vor sechs. Im bemalten Innenraum mit Bleiverglasung befindet sich eine restaurierte Orgel von Adolf Ibach (vermutl. 1865).

Gelegentlich finden Kirchenkonzerte statt.

 

Von Ostern bis zum Reformationstag ist die Kirche täglich von 9-17h geöffnet.

 

Weitere Informationen beim Kirchenkreis.

 


Boberow zu Ostzeiten

"Heimat", "Hoffnung" und "Heideland" hatten sich zur LPG "Junge Garde" vereinigt.
Boberows letzte LPG. Foto: J. de Gruyter

 

Zu "Ostzeiten" war Boberow ein lebhaftes Dorf mit allem, was zum täglichen Leben benötigt wurde.

 

Es gab ein Lebensmittelgeschäft, die Poststelle, eine Sparkasse, eine Tierarztpraxis, die Dorfschule, zwei Gastwirtschaften mit Tanzsaal für Familienfeiern und Dorffeste, eine Schmiede, Bäckerei und Fleischerei, die Milchannahmestelle und natürlich den Dorfpolizisten – Ziel mancher Kinderstreiche.

 

Alter Hof. Foto: J. de Gruyter
Alter Hof. Foto: J. de Gruyter

Drei Telefonanschlüsse gab es im Ort. Alte Linden säumten die gepflasterte Dorfstraße.

Kinder spielten auf der Straße, Fahrrad und Moped waren die üblichen Verkehrsmittel.

Neue Obstbäume. Foto: J. de Gruyter
Neue Obstbäume. Foto: J. de Gruyter

Feldwege verbanden die Dörfer miteinander.

 

Die Landstraße nach Lenzen, nur einspurig befestigt, war von Obstbäumen gesäumt.

Straßenlaterne RSL1 Typ "Rostock". Foto: J. de Gruyter
Straßenlaterne RSL1 Typ "Rostock". Foto: J. de Gruyter

 

Viele Boberower waren bei der LPG beschäftigt und mittags traf man sich in der Gemeinschaftsküche gegenüber dem Tierarzt.

 

Die Militärkolonnen der sowjetischen Truppen nahmen den Weg von Perleberg nach Ludwigslust durch das Dorf – die kürzeste Verbindung, um nicht die Transitstrecke, die heutige B5 befahren zu müssen. Dann schepperte in den Häusern das Geschirr im Schrank.

 

So oder so ähnlich sah es in den meisten Dörfern der Prignitz aus.

 

 

Mutterkuhhaltung in der Prignitz. Foto: J. de Gruyter
Mutterkuhhaltung in der Prignitz. Foto: J. de Gruyter

1990 änderten sich die Lebensumstände grundlegend. Arbeit gab es im Dorf kaum noch und auch in der Freizeit hatten die Menschen jetzt andere Interessen. Der Alltag fand nicht mehr ausschließlich im Dorf statt.

Westdeutsche Lebensmitteldiscounter, deren Filialen an den Kreuzungen der Fernstraßen oder auf den Grundstücken ehemaliger Kaufhallen errichtet wurden, übernahmen die Versorgung mit Lebensmitteln. Ohne Auto war man plötzlich abgehängt.

Storchennest. Foto: J. de Gruyter
Storchennest. Foto: J. de Gruyter

 

Nur noch wenige Dörfer haben heute einen Lebensmittelladen (Dallmin, Berge), eine Gastwirtschaft (Bernheide, Drefahl, Lenzen), oder eine Schule (Baek, Berge, Lanz).

 

Die Bäckerwagen kommt allerdings immer noch.

Und in Boberow sogar jeden Tag.

 

 

 

Karstädt, altes Wasserwerk. Foto: J. de Gruyter
Karstädt, altes Wasserwerk. Foto: J. de Gruyter

Boberow ist inzwischen ein Ortsteil von Karstädt.

 

Innerhalb nur weniger Jahre fand hier nach 1990 ein Prozess statt, der sich in anderen europäischen Ländern nach 1945 über Jahrzehnte hingezogen hatte – am Beispiel Niederlande nachzulesen in Wie Gott verschwand aus Jorwerd, von Gert Mak.

 

Ihre Erinnerungen an ihre >Vorkriegskindheit in Dannenwalde in der Prignitz hat Elisabeth von Falkenhausen aufgeschrieben.


Boberow heute

Pferdeweide bei Boberow. Foto: J. de Gruyter
Pferdeweide bei Boberow. Foto: J. de Gruyter

Die Leer und Weite der Prignitz zog nach 1990 viele Großstädter aus der alten Bundesrepublik an. Hier gab es Platz und Häuser zur Verwirklichung neuer Ideen. Vieles schien plötzlich möglich.

 

Wie es noch 1993 im Dorf aussah, zeigt dieser kurze Fernsehbeitrag des RBB.

 

 

 

Störche bei Birkholz. Foto: J. de Gruyter
Störche bei Birkholz. Foto: J. de Gruyter

Wer heute die Prignitz besucht, freut sich über die herrliche Ruhe, über die Störche, Kraniche und Wildgänse auf den Weiden, den friedlich grasenden Rindern und Pferden und ist überrascht von der Stille der sternenklaren Nächte, in denen nur die Gänse im Rambower Moor zu hören sind.

Sternenklare Nächte in der Prignitz
Wintermond über der Prignitz. Foto: J. de Gruyter

Ausflüge rund um Boberow

Rund ums Rambower Moor

Tannenzapfen. Foto: J. de Gruyter
Tannenzapfen. Foto: J. de Gruyter

Das Rambower Moor ist ein artenreiches Verlandungsmoor, in dem Kraniche und andere seltene Vogelarten brüten. Informationstafeln entlang des Rundwegs erklären geben Erklärungen zur Natur und Geschichte des Moores. Der in 200 m Tiefe liegende Salzstock erstreckt sich bis nach Gorleben.

 

12 km, ca. 2,5 Std. entlang der alten Straße nach Mellen

Start & Ziel: Moorscheune (nur am Wochenende)

Kaffee & Kuchen

(Sa/So ab 14h)

moorscheune.de

 

Das Moor lässt auch mit dem Rad oder zu Pferde umrunden.

Detaillierte Informationen hier -->>

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Historische Orte in der Prignitz
Das Grab von Mellen. Foto: J. de Gruyter

Vom Rundweg das Großsteingrab in Mellen besuchen, die letzte noch erhaltene Grabanlage der Jungsteinzeit. Die Anlagen bei Mankmuß und Boberow wurden zerstört.

Das Megalithengrab entstand vor 4-5000 Jahren als gemeinschaftlicher Bestattungsplatz und steht, nach dem es im 19. Jh. als Steinbruch diente, seit 1887 unter Denkmalschutz.

 

Hinweistafel vor Ort

Kaffee & Kuchen in Mankmuß

Bei Mankmuß. Foto: J. de Gruyter
Bei Mankmuß. Foto: J. de Gruyter

 

 

 

 

 

 

 

Durch den Wald und über die Felder nach Mankmuß (über Gosedahl), ca. 1 Std.

 

Wenn man aus dem Wald heraustritt und Mankmuß unmittelbar vor sich sieht, liegt links unter den Bäumen im Wald ein Ringwall (ringförmige Wallanlage, vermutlich aus dem 8.-9. Jh.). Lage hier

 

Mankmuß hat eine kleine Kirche (um 1500) mit Friedhof und Denkmal.

 

Dorffest im September.

Frühstück in der Prignitz. Foto: J. de Gruyter
Frühstück in der Prignitz. Foto: J. de Gruyter

 

Gartencafé Alte Schule

 

Sensationelle Torten, hausgemachte Frikadellen.

Single Malt Whisky & klassische Musik.

Pferde & Hunde willkommen.

(Fr-So 14-19h)

 

alteschule-mankmuss.de

Entlang der alten Feldwege

Obstbaumallee bei Berge/Prignitz. Foto: J. de Gruyter
Obstbaumallee bei Berge/Prignitz. Foto: J. de Gruyter

 

 

Im Herbst lassen sich an der Landstraße alte Birnen- und Apfelsorten sammeln.

Daraus keltert die Mosterei in Wittenberge innerhalb eines Tages den eigenen Obstsaft.

 

An der Elbe

Urlaub mit Pferd, Urlaub in der Elbtalaue
Ehemaliger Wachturm bei Lenzen/Prignitz. Foto: J. de Gruyter

Weitere Informationen zu Wanderungen entlang der Elbe in der Rubrik "Prignitz".

 

Café Jaap, in Lütkenwisch mit sonniger Terrasse und Blick auf die Elbe und das niedersächsische Schnackenburg.

 

(TIP: Mit der Fähre übersetzen und das Grenzlandmuseum besuchen.)

 

Biosphärenreservat Elbtalaue
An der Elbe. Foto: J. de Gruyter

Kleine Sandstrände zwischen den Buhnen an der Elbe mit flachem Wasser laden zum Picknick ein oder um den Nachmittag in der Sonne zu dösen.

(Vorsicht: Nicht am Kopf der Buhne ins Wasser gehen - reißende Strömung!)

 

Von Lütkenwisch nach Lenzen am alten Deich entlang etwa 12 km.

Wildpferde und Schafe sind zu sehen.